

ÜBUNG: Blick in die Zukunft
Diese abschließende Reflexion lädt Sie dazu ein, darüber nachzudenken, wie Sie eine Idee aus diesem Kurs in Ihrer täglichen Praxis anwenden können – auf eine Weise, die kulturell sensibel und relevant ist.
SCHRITT 1: Wählen Sie eine Technik aus dem Kurs aus. Suchen Sie sich eine Idee oder ein Werkzeug aus, das Sie nützlich fanden (z. B. einfache Sprache verwenden, Achtsamkeit einbeziehen, gemeinsam erarbeitete Pläne erstellen).
SCHRITT 2: Planen Sie, wie und wann Sie diese anwenden werden. Wie könnten Sie dies in Ihre Arbeit oder Ihren Unterricht integrieren?
Beispiel:
Standardversion: „Probieren Sie diese Woche zwei Maßnahmen zur Selbstfürsorge aus:
1) 20-minütiger Spaziergang,
2) 10-minütige Atemübung.“
Kulturell angepasste Version: „In Familien, in denen gemeinsame Mahlzeiten und Musik Kraft geben, wählen Sie eine Aktivität, die Sie mit einem geliebten Menschen unternehmen können – einen Spaziergang, ein gemeinsames Essen oder gemeinsames Atmen.“
SCHRITT 3: Passen Sie die Technik an kulturelle Gegebenheiten an. Wenn Sie mit Migrant*innen, Flüchtlingen oder anderen kulturell vielfältigen Lernenden arbeiten, fragen Sie sich: Wie müsste diese Technik möglicherweise an deren Werte, Alltagsroutinen oder Lernstil angepasst werden?
SCHRITT 4: Schreiben Sie Ihren Plan auf. Verfassen Sie 1–2 Sätze, in denen Sie beschreiben, wie Sie die Technik anwenden und wie Sie diese anpassen könnten. Bewahren Sie sie an einem Ort auf, an dem Sie später darauf zurückgreifen können.
Optional: „Brauchen Sie Inspiration? Denken Sie an eine Geschichte, eine Tradition oder ein Symbol aus der Kultur Ihrer Lernenden, die/ das einen Bezug zu der von Ihnen gewählten Technik hat.“
Fallstudie: Ein Migrant aus Bangladesch in Lissabon
Hintergrund: Ein 34-jähriger Mann aus Bangladesch, der kürzlich nach Lissabon gezogen war, stellte sich mit Symptomen von Angstzuständen und sozialem Rückzug vor. Aufgrund von Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden und der Angst vor Stigmatisierung in seiner Gemeinschaft fiel es ihm schwer, portugiesische psychologische Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
Ermittelte Herausforderungen:
• Sprache und Kommunikation: Er äußerte seine Notlage im bengalischen Dialekt von Dhaka, doch die Einrichtung kommunizierte auf Portugiesisch und Englisch.
• Kulturelle Bedeutung psychischer Belastung: In seiner Kultur wurden körperliche Symptome und Somatisierung eher akzeptiert als das Sprechen über Emotionen.
• Vertrauen und Identität: Er war unsicher, ob seine Werte (Familienehre, Stärke der Gemeinschaft) respektiert würden.
Maßnahmen und Anpassungen:
• Einsatz eines bengalischsprachigen Moderators für das erste Aufnahmegespräch.
• Psychoedukationssitzungen, die mit kulturell vertrauten Metaphern gestaltet wurden (z. B. „schweres Herz“ statt „Depression“).
• Gruppenunterstützung, an der Gleichaltrige aus südasiatischen Gemeinschaften teilnahmen, mit Schwerpunkt auf dem Wiederaufbau sozialer Netzwerke.
Ergebnis: Nach 6 Monaten berichtete der Mann von einer verbesserten Teilnahme an den Sitzungen, weniger Vermeidungsverhalten und größerer Bereitschaft, über Stressfaktoren zu sprechen. Er verwies zudem einen Freund aus seiner Gemeinschaft an den Dienst. Wichtige Erfolgsfaktoren: sprachliche Angleichung, kulturell respektvolle Moderation und relevante metaphorische Darstellung der Belastung