Fallstudie: SH+ für Flüchtlingsfrauen in Uganda
KONTEXT UND BEDARF
In der Siedlung Rhino Camp (Norduganda) waren südsudanesische Flüchtlingsfrauen aufgrund von Traumata, Konflikten und Vertreibung erhöhten psychischen Belastungen ausgesetzt. Der Zugang zu psychologischen Hilfsangeboten war äußerst begrenzt. Die WHO entwickelte „Self-Help Plus“ (SH+), eine kurze, gruppenbasierte Intervention, die von kurz geschulten Laienmoderatoren durchgeführt werden sollte.
PROGRAMMGESTALTUNG
• Struktur: Fünf wöchentliche, zweistündige Gruppensitzungen (20–30 Frauen pro Gruppe), durchgeführt mittels vorab aufgezeichneter Audioaufnahmen und unterstützt durch ein illustriertes Selbsthilfebuch (um der geringen Alphabetisierungsrate Rechnung zu tragen), alles in Juba-Arabisch
• Inhalt: Achtsamkeitsbasierte ACT-Prinzipien, darunter Achtsamkeit im Hier und Jetzt, Achtsamkeits-Grounding, Akzeptanz schwieriger Gedanken, Identifizierung persönlicher Werte und Selbstmitgefühl
• Moderatorinnen: Vor Ort ausgewählt (mit Hochschulabschluss), etwa 8 Tage lang geschult, leicht beaufsichtigt, um Konsistenz zu gewährleisten, wobei jedoch nur minimale Ressourcen erforderlich sind
ERGEBNISSE & AUSWIRKUNGEN
• Teilnehmerinnen: 694 Flüchtlingsfrauen
• Psychische Belastung: Signifikante Verringerung bei der Nachuntersuchung nach 3 Monaten
• Vorteile: Verbesserungen bei Depressionen, PTBS, Wutausbrüchen, Funktionsfähigkeit und subjektivem Wohlbefinden; konsistente Fortschritte über verschiedene Traumahistorien und Belastungsniveaus hinweg
• Akzeptanz: Hohe Teilnahmequote (~83 % Anwesenheit über alle Sitzungen hinweg)
• Skalierbarkeit: Nachgewiesene Durchführbarkeit durch Laien unter Verwendung kostengünstiger Materialien, ideal für Krisenregionen
DENKANSTÖSSE
1.Auf welche Weise sorgte SH+ dafür, dass sich die Frauen während der Sitzungen sicher und wohl fühlten?
2.Was machte es möglich, SH+ vielen Menschen anzubieten, auch ohne viel Geld oder Ressourcen?
3.Welche Ideen von SH+ könnten Sie auch bei der Unterstützung von Migranten oder Flüchtlingen in Ihrer Arbeit nutzen?